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Programmübersicht

 

mittwochs, jeweils 18.30 Uhr, Hörsaalzentrum HZ 6, Campus Westend

 

11.4.2012: Prof. Dr. Hans-Heino Ewers, Frankfurt a. M.
Märchen – (k)ein romantischer Mythos? Zur Umdeutung einer Gattung durch die Brüder Grimm.

 

18.4.2012: Prof. Dr. Alfred Messerli, Zürich

„Nicht selten ist der Ausdruck nach des Landes Art, keck, frei und unverhüllt.“ Giambattista Basiles Pentamerone und die Brüder Grimm.

 

25.4.2012: Prof. Dr. Andreas Kraß, Frankfurt a. M.

Das blaue Wunder. Geschlechterverhältnisse in Eduard Mörikes Historie von der schönen Lau.

 

2.5.2012: Dr. Regina Freyberger, München

Die Bilderwelt der Brüder Grimm. Ludwig Emil Grimm und die Anfänge der deutschen Märchenillustration.

 

9.5.2012: Dr. Jens Emil Sennewald, Paris

Wie es ist, ein Buch zu sein – die „Kinder- und Hausmärchen, gesammelt durch die Brüder Grimm“ zwischen Poetik, Identitätsfindung und Selbstbezug.

 

16.5.2012: Dr. Claudia Maria Pecher, Frankfurt a. M.

„Ein Grundton von Religion“ in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm:Historisches Substrat oder Signum einer romantischen Gattung?

 

23.5.2012: Prof. Dr. Maria Teresa Cortez, Aveiro/Portugal

Zur „Mythologisierung“ der Grimmschen Märchensammlung in der portugiesischen Spätromantik.            

 

30.5.2012: Dr. Barbara Gobrecht, Gebenstorf/Schweiz

Dämonische Gestalten in europäischen Zaubermärchen.

 

6.6.2012: Prof. Dr. Gabriele von Glasenapp, Köln

"Das Buch, das wir sind"? Zur jüdischen Rezeption der Grimm’schen Kinder- und Hausmärchen.

 

13.6.2012: Dr. Natacha Rimasson-Fertin, Grenoble/Frankreich

Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm im Land Perraults: Übersetzungen und französische Sammlungen im 19. und 20. Jahrhundert.

 

20.6.2012: Dr. Olena Kuprina, Regensburg

Grimms Volksmärchen und Puschkins Kunstmärchen: Gattungswechsel oder kulturelle Transformation?

 

27.6.2012: Dr. habil. Eliza Pieciul-Karmińska, Posnan/Polen

Neue polnische Übersetzung der Kinder- und Hausmärchen – zwischen Tradition und Treue?

 

4.7.2012: PD Dr. Wolfgang Bunzel, Frankfurt a. M.

„Restaurationen und Ipsefacten“. Divergierende Konzeptionen des ‚romantischen‘ Märchens bei Clemens Brentano und den Brüdern Grimm

 

Kurzinformationen zu den Themen und zu den Referenten und Referentinnen

 

11.4.2012: Prof. Dr. Hans-Heino Ewers, Frankfurt a. M.
Märchen – (k)ein romantischer Mythos? Zur Umdeutung einer Gattung durch die Brüder Grimm.

 

Das Brüder-Grimm-Jahr 2012 sollte zum Anlass genommen werden, mit den immer noch verbreiteten Märchenklischees zu brechen. Am Aufkommen dieser Klischees sind die Brüder Grimm nicht unbeteiligt. Die jüngere Grimm- und Märchenforschung hat die spätromantische Mythisierung des ‚Volksmärchens‘ längst in Frage gestellt und neue Zugänge zu dieser Literaturgattung eröffnet. Hinter der romantischen Umbiegung zur Kinderlektüre tritt das Märchen wieder als Liebes- und Heiratsgeschichte hervor und als durchaus realistische Widerspiegelung vormoderner gesellschaftlicher Verhältnisse.

 

Prof. Dr. Hans-Heino Ewers ist Geschäftsführender Direktor des Instituts für Jugendbuchforschung an der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt a.M., und veröffentlichte zahlreiche Publikationen u.a. zur Theorie der Kinder- und Jugendliteratur, zur Geschichte der deutschen Kinder- und Jugendliteratur vom 18. bis 20. Jahrhundert und zum aktuellen Wandel in der Kinder- und Jugendliteratur.

Homepage: www.hhewers.de

 

18.4.2012: Prof. Dr. Alfred Messerli, Zürich

„Nicht selten ist der Ausdruck nach des Landes Art, keck, frei und unverhüllt.“ Giambattista Basiles Pentamerone und die Brüder Grimm.

 

Jacob und Wilhelm Grimm hielten das Pentamerone des Neapolitaners Giambattista Basile (1575–1632), für „die beste und reichhaltigste“ Märchensammlung, die „bei Irgendeinem Volk veranstaltet worden“ ist (vgl. Anmerkungsband von 1822). Sie sei die „Grundlage“ aller übrigen Sammlungen. Diese große Wertschätzung zeigt sich in zahlreichen Nachweisen in den Anmerkungen und in einer synoptischen Übersicht von 32 Märchen, „die im Pentamerone und in der deutschen Sammlung im Ganzen übereinstimmen.“ (ebd.)

Mit der Sammlung Basiles, die den Grimms durch den Dichter Clemens Brentano vermittelt worden war, und der Auseinandersetzung mit ihr, gewinnen die Brüder Grimm einen transnationalen und komparatistischen Ansatz in der Erforschung des europäischen Volksmärchens.

 

Prof. Dr. Alfred Messerli lehrt seit 2000 als Lehrbeauftragter am Institut für Populäre Kulturen der Universität Zürich. Er ist Mitherausgeber der historisch-kritischen Ausgabe der Schriften Ulrich Bräkers (5 Bde. München: C.H. Beck Verlag 1998-2010); seine Habilitation Lesen und Schreiben 1700 bis 1900. Untersuchung zur Durchsetzung der Literalität in der Schweiz erschien 2002 im Max Niemeyer Verlag in Tübingen. Seine Forschungsschwerpunkt sind: Erzählforschung, Selbstzeugnisse, Massenbilderforschung, Kinderfolklore und Lesergeschichte.

 

Weiterführender Link: http://www.ipk.uzh.ch/institut/p-am.php

 

25.4.2012: Prof. Dr. Andreas Kraß, Frankfurt a. M.

Das blaue Wunder. Geschlechterverhältnisse in Eduard Mörikes Historie von der schönen Lau.

Als Mörike das Märchen von der schönen Lau dichtete, hatte Brentano seine Loreley, Fouqué seine Undine, Goethe seine Neue Melusine und Andersen seine Kleine Meerjungfrau längst geschrieben. Was also hat die Deutung des Wasserfrauenmythos, die Mörike im Jahr 1853 vorlegte, Neues zu bieten? Es ist gewiss eine biedermeierliche, aber das heißt auch: abgründige Deutung – so tief wie der Quell, den die schöne Lau bewohnt. Mörike versucht den typischen Konflikt der romantischen Geschichten, in denen sich ein Mann zwischen Nymphe und Menschenfrau entscheiden muss, in der Weise zu lösen, dass er die Rivalinnen miteinander versöhnt. Und Versöhnung bedeutet bei Mörike, wie schon bei Andersen: Verschwisterung.

Prof. Dr. Andreas Kraß ist seit 2004 Professor für deutsche Literatur des Mittelalters an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Seine jüngste Buchpublikation ist Meerjungfrauen: Geschichten einer unmöglichen Liebe, erschienen 2010 in der Wissenschaftsreihe des S. Fischer Verlags, eine Literaturgeschichte der Sirenen, Melusinen und Undinen unter dem Gesichtspunkt der Geschlechterforschung.

 

Weiterführender Link:

 http://www.uni-frankfurt.de/fb/fb10/IDLD/ADL/mitglieder/Krass/index.html

 

2.5.2012: Dr. Regina Freyberger, München

Die Bilderwelt der Brüder Grimm. Ludwig Emil Grimm und die Anfänge der deutschen Märchenillustration.

 

1812 sahen die Brüder Grimm noch keine Notwendigkeit zur bildlichen Ausstattung der Kinder- und Hausmärchen, verstanden sie diese doch als wissenschaftliche Sammlung von naturpoetischen Texten. Es bedurfte einiger Impulse von außen – insbesondere des sensationellen Erfolgs der ersten englischen Übersetzung (German Popular Stories, 1823) mit Kupfern George Cruikshanks − bis sich Jacob und Wilhelm Grimm entschlossen, ihren jüngeren Bruder mit der Illustrierung der Kleinen Ausgabe zu betrauen. Da Wilhelm Grimm nachweisbar korrigierend in den künstlerischen Prozess seines Bruders eingriff, liefert die Bildausstattung der Kleinen Ausgabe unschätzbare Hinweise darauf, wie sich die Brüder Grimm ihre Märchenwelt vorstellten. Diese Grimm’sche Sicht der Märchenwelt wurde zum Grundstock der deutschen Illustrationen zu den Grimm’schen Kinder- und Hausmärchen der Folgejahre.

Dr. Regina Freyberger hat nach ihrem Studium der Kunstgeschichte, Ethnologie und Ägyptologie in Kunstgeschichte promoviert. Sie arbeitete zuletzt als Mitarbeiter im Münchner Buchauktionshaus Zisska & Schauer.

Ihre Forschungsschwerpunkt sind: europäische Kunst des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, insbesondere Projekte zum Medium Illustration; dazu zahlreiche auch internationale Veröffentlichungen. Ihre Dissertationsschrift Märchenbilder – Bildermärchen. Illustrationen zu Grimms Märchen 1819–1945. Über einen vergessenen Bereich deutscher Kunst wurde 2009 mit dem Lutz-Röhrich-Preis der Märchen-Stiftung Walter Kahn ausgezeichnet.

 

9.5.2012: Dr. Jens Emil Sennewald, Paris

Wie es ist, ein Buch zu sein – die „Kinder- und Hausmärchen, gesammelt durch die Brüder Grimm“ zwischen Poetik, Identitätsfindung und Selbstbezug.

 

Auf welche Weise muss ein Buch verfasst sein, um derart zu wirken, dass dessen Teile als authentische Überlieferung rezipiert werden, und zwar so, dass die schriftliche wie eine „Ideal-Form“ wahrgenommen wird und – bis heute – identitätsstiftend wirkt? Diese Frage stand am Ausgangspunkt einer Forschungsarbeit, welche die spezifische Poetik der Märchensammlung der Brüder Grimm identifiziert. Der Vortrag wird die Ergebnisse dieser Arbeit anhand zentraler Beispiele vorstellen.

 

Dr. Jens Emil Sennewald arbeitet als Publizist und Kunstkritiker in Paris. Mit der Forschungsarbeit Zur Poetik der „Kinder- und Hausmärchen, gesammelt durch die Brüder Grimm“ hat er sich an der Universität Hamburg als Literaturwissenschaftler promoviert (erschienen 2004 im Verlag Königshausen & Neumann). Er ist Mitglied der Forschungsgruppe EA 182 an der Universität Paris 3 – Sorbonne Nouvelle, wo er auch unterrichtet. Forschungen zu Theorien der Kritik, den Wechselwirkungen zwischen Text und Bild, zum visuellen Raum und zum Zeichnen.

 

Aktuelle Veröffentlichungen unter http://weiswald.com

 

 16.5.2012: Dr. Claudia Maria Pecher, Frankfurt a. M.

„Ein Grundton von Religion“ in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm: Historisches Substrat oder Signum einer romantischen Gattung?

 

Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm gelten nach der Luther-Bibel als das meist verbreitete Werk der deutschen Literatur. Und dabei ist der Zusammenhang von Dichtung und Religion nicht zufällig gewählt, so lässt sich an den poetischen Kurzformen der Grimm’schen Sammlung zeigen, welche Rolle religiöse Elemente spielen, um „Märchen“ als präferierte Gattung der Romantik zu etablieren und damit einen entscheidenden Beitrag zum romantischen „Gegenentwurf der Aufklärung“ zu leisten. Dabei gilt es in religiöse Elemente der Stoffgeschichte und Textgenese zu unterscheiden, die dem jeweiligen Märchen als historisches Substrat inhärent und/oder der Grimm’schen Bearbeitung zu zuordnen sind. Ausgewählte Beispiele hierfür werden im Rahmen des Vortrags präsentiert. Neben analytischen Kriterien sollen Funktion, Wirkung und Widersprüche erörtert werden.  

 

Dr. Claudia Maria Pecher ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Jugendbuchforschung der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Vizepräsidentin der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur sowie Vorstandsmitglied der Märchen-Stiftung Walter Kahn. Forschungsschwerpunkte: Märchen- und Erzählforschung, allgemeine und religiöse Kinder- und Jugendliteratur.

Weiterführende Links: www.akademie-kjl.de, www.maerchen-stiftung.de,

www.uni-frankfurt.de/fb/fb10/jubufo/Mitarbeiter/index.html

 

23.5.2012: Prof. Dr. Maria Teresa Cortez, Aveiro/Portugal

Zur „Mythologisierung“ der Grimmschen Märchensammlung in der portugiesischen Spätromantik.         

 

Inhalt dieser Vorlesung ist es, wichtige Aspekte der portugiesischen Rezeption der Kinder- und Hausmärchen zu vermitteln, die sich besonders seit den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts zeigen. Dieses Thema soll in Verbindung mit zwei Rezeptionsrichtungen behandelt werden, wobei die eine Richtung eng mit den Anfängen der portugiesischen Märchenforschung verbunden ist und die andere im Rahmen der Kinderliteratur ihren Ausdruck findet. Im ersten Teil soll die Rolle der Gründer der portugiesischen Ethnographie bei der Entdeckung der Märchen der Brüder Grimm und der literarischen Wiederbelebung des Volksmärchens hervorgehoben werden. Dabei liegt ein Schwerpunkt auf der Rezeption der „Grimm-Methode“, genauer gesagt des Anspruchs der Brüder Grimm zu „Treue und Wahrheit“ beim Sammeln der Texte. Ein weiterer Schwerpunkt soll die Diskussion über den Beitrag der portugiesischen Märchenforscher zu einer „Mythologisierung“ der KHM als reine Volkspoesie sein.

Der zweite Teil der Vorlesung befasst sich mit dem Integrationsprozess der Märchen in der portugiesischen Kinderliteratur in einem Kontext von Bildungsreformen und einer lebhaften pädagogischen Diskussion. Das romantische Plädoyer der Märchenforscher für eine Rehabilitierung des Volksmärchens innerhalb der Kinderliteratur und die Beteiligung von portugiesischen Schriftstellern in der Übersetzung von Grimm’schen Märchen und deren Verbreitung sollen hier besonders betont werden.

Dr. Maria Teresa Cortez ist Professorin für Deutsche Literatur- und Kulturwissenschaft an der Universität Aveiro (Portugal). Forschungsschwerpunkte: deutsch-portugiesische literarische und kulturelle Beziehungen; Kulturgeschichte des Deutschunterrichts in Portugal; literarische Übersetzung; Kinder- und Jugendliteratur; Figuren und Motive der Märchen in der Gegenwartsliteratur. Zahlreiche Veröffentlichungen in Sammelbänden und Zeitschriften: Grimms Märchen in Portugal . Die Rezeption der „Kinder- und Hausmärchen“ zwischen 1837 und 1910 [Maria Teresa Cortez, Os Contos de Grimm em Portugal . Recepção dos „Kinder- und Hausmärchen“ entre 1837 e 1910, Coimbra: MinervaCoimbra, 2001].

 

30.5.2012: Dr. Barbara Gobrecht, Gebenstorf/Schweiz

Dämonische Gestalten in europäischen Zaubermärchen.

 

Gerade die dämonischen Gestalten der Volksmärchen wurzeln in der regionalen Folklore und den mythologischen Vorstellungen eines Sprachraums. In Kindermärchen drohen landestypische Abholdämonen oder wirken lohnende bzw. strafende Instanzen vom Typ der Grimm’schen Frau Holle. In Erwachsenenmärchen treiben Blaubärte, ganz Bartlose, Teufel oder schwarzhäutige Frauen ihr Unwesen. Der Schwerpunkt der Vorlesung liegt auf der Spezifik von halbmenschlich gedachten Dämonengestalten und auf dämonisierten Menschengruppen in Märchen aus Russland, Griechenland, Spanien, Frankreich und Italien.

 

Dr. Barbara Gobrecht hat über europäische Erfolgskomödien aus dem 18. Jahrhundert promoviert. Sie ist seit 1982 wissenschaftlich tätig auf dem Gebiet der Erzählforschung und hat zahlreiche wissenschaftliche und journalistische Publikationen, u. a. in der Enzyklopädie des Märchens,Rezensionen und Fachbeiträge in Fabula, Märchenspiegel, veröffentlicht. Sie ist Gründungs- und Vorstandsmitglied der Schweizerischen Märchengesellschaft SMG und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Europäischen Märchengesellschaft EMG. Sie ist weiterhin Lehrbeauftragte an der Universität St. Gallen und veranstaltet dort Vorlesungszyklen zur Erzählforschung.

 

Aktuelles und Publikationsliste siehe www.maerchengesellschaft.ch oder www.gobrecht.ch


6.6.2012: Prof. Dr. Gabriele von Glasenapp, Köln
„Das Buch, das wir sind“? Zur jüdischen Rezeption der Grimmschen Kinder- und Hausmärchen

 

Die Geschichte der Kinder- und Hausmärchen ist untrennbar verbunden mit der Geschichte ihrer zum Teil sehr zeitnahen Rezeption in Deutschland, in Europa sowie weit über die europäischen Grenzen hinaus. Dem entgegen steht eine auffällige Nicht-Rezeption von jüdischer Seite. Weder werden die Märchen in eine der jüdischen Literatursprachen, Hebräisch und Jiddisch, übersetzt noch lassen sich bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts innerhalb des jüdisch-literarischen Handlungssystems Reaktionen auf die Märchensammlung nachweisen. Der Vortrag möchte den Gründen für diese offensichtlich verweigerte Rezeption von jüdischer Seite nachgehen und in diesem Zusammenhang mögliche Differenzen zwischen jüdischem und nicht-jüdischen Selbstverständnis, wie sie sich in den unterschiedlichen Rezeptionsmodi der Kinder- und Hausmärchen manifestieren, analysieren.

 

Prof. Dr. phil. Gabriele von Glasenapp, geb. 1956 in Frankfurt a.M., seit 2011 Professorin für Literaturwissenschaft und ihre Didaktik an der Universität zu Köln sowie Leiterin der Arbeitsstelle für Leseforschung und Kinder- und Jugendmedien (ALEKI). Arbeits- und Forschungsschwerpunkte: Kinder- und Jugendliteraturtheorie und -didaktik sowie jüdische (Kinder- und Jugend-)Literatur des 18., 19. und 20. Jahrhunderts.

 

Homepage: www.aleki.uni-koeln.de/mitarbeiter/vonglasenapp/index.shtml

  

13.6.2012: Dr. Natacha Rimasson-Fertin, Grenoble/Frankreich

Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm im Land Perraults: Übersetzungen und französische Sammlungen im 19. und 20. Jahrhundert.

 

Dieser Vortrag soll einige Aspekte der Rezeption der Kinder- und Hausmärchen in Frankreich, dem Land der Perrault’schen Märchen, beleuchten: Wie und in welcher Übersetzung wurden die Kinder- und Hausmärchen in Frankreich im 19. Jahrhundert entdeckt und bekannt? Wie waren die Ziele und die Verfahrensweisen der verschiedenen Übersetzer im 19. und im 20. Jahrhundert?

Ferner soll der Einfluss der Grimmschen Sammlung auf die Sammeltätigkeit in Frankreich unter­sucht werden.

 

Dr. Natacha Rimasson-Fertin promovierte an der Stendhal-Universität (Grenoble 3) mit einer Arbeit über das Jenseits in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm (im Vergleich mit den Russischen Volksmärchen A. N. Afanasjews). 2009 hat sie eine neue französische Übersetzung der Kinder- und Hausmärchen veröffentlicht, die zugleich die erste kritische Ausgabe in französischer Sprache ist. Diese Übersetzung wurde u.a. von der Académie Française ausgezeichnet. Sie hat eine Stelle als Maître de Conférences in der Germanistik an der Universität Stendhal-Grenoble 3 inne. Sie ist seit 2003 Mitglied im Fachbeirat der Erzählkunstzeitschrift La Grande Oreille.

Zu ihren aktuellen Forschungsbereichen gehören u. a. die volkstümlichen Glaubensvorstellungen in den Märchen und Sagen des deutschsprachigen und russischsprachigen Raumes, Ätiologien und Adaptionen von Märchen in verschiedenen Medien.


20.6.2012: Dr. Olena Kuprina, Regensburg

Grimms Volksmärchen und Puschkins Kunstmärchen: Gattungswechsel oder kulturelle Transformation?

 

Alexander Puschkin (1799-1837) ist nicht nur der renommierteste Autor der in Russland sehr beliebten Gattung des Kunstmärchens, sondern gilt (mit Wassili Schukowski) auch als Begründer dieser Gattung in der russischen Literatur.

Obwohl sechs Märchen, die Puschkin im Zeitraum von 1830 bis 1834 verfasst hatte, in der Forschung wiederholt als „authentisch russische“ bezeichnet werden, liegen zweien davon Grimms Texte zugrunde: Schneewittchen ist die Vorlage für "Das Märchen von der toten Zarentochter und den sieben Recken" und "Von dem Fischer und seiner Frau" bildet das Prototyp für "Das Märchen vom Fischer und Fischlein". Welche Transformationsprozesse erfahren die Vorlagen, die nicht aus dem eigenen Kulturkreis stammen, in ihrem neuen Kontext? Wachsen sich die Modifizierungen von einer sprachlichen Übersetzung zu einer kulturellen aus? Sprengen diese Metamorphosen nicht die Grenzen der Märchengattung?

Dr. Olena Kuprina hat nach ihrem Studium der Slavischen Philologie (Polnisch, Russisch, Ukrainisch) und Germanistischen Linguistik im Fach Slavistik zum Thema Märcheninformationen: Figurenanalysen zu russischen und ukrainischen Volks- und Literaturmärchen promoviert. Ihre Arbeit wurde 2011 mit dem Lutz-Röhrich-Preis der Märchen-Stiftung Walter Kahn ausgezeichnet. Sie ist seit 2009 Lehrbeauftragte am Lehrstuhl für Slavistik an der Universität Regensburg mit dem Schwerpunkt Märchenforschung.

 

27.6.2012: Dr. habil. Eliza Pieciul-Karmińska, Posnan/Polen

Neue polnische Übersetzung der Kinder- und Hausmärchen – zwischen Tradition und Treue?

 

Die Übersetzungs- und Rezeptionsgeschichte der KHM in Polen kann nicht mit rein literaturwissenschaftlichen Begriffen beschrieben werden, denn sie unterlag auch politischen, didaktischen und weltanschaulichen Bedingungen. Die schwierige deutsch-polnische Geschichte und Nachbarschaft beeinflusste beträchtlich die Übersetzungs- und Veröffentlichungspolitik der KHM im 19. und 20. Jahrhundert. Im Jahr 2010 erschien die neue vollständige Übersetzung der KHM in der polnischen Sprache. Als Übersetzerin dieser Ausgabe möchte ich in meinem Vortrag über Ziele, Methoden und Probleme der neuen polnischen Übersetzung der KHM erzählen. Ein zusätzliches Problem ist die Reaktion gegenwärtiger polnischer Leser auf die neue Übersetzung und Interpretation der KHM, denn man hält die Märchen der Gebrüder Grimm nach wie vor für „grausam und blutig“.

 

Dr. habil. Eliza Pieciul-Karmińska leitet den Lehrstuhl für angewandte Linguistik am Institut für Sprachwissenschaft der Adam-Mickiewicz-Universität (Polen). Sie promovierte zum Thema Literarische Personennamen in deutsch-polnischer Translation. Eine kontrastive Studie aufgrund der Prosawerke von Thomas Mann und habilitierte zu Sprachliche[n] Weltbilder[n] der deutschen und polnischen Theologie in Poznan 2006.


4.7.2012: PD Dr. Wolfgang Bunzel, Frankfurt a.M.

„Restaurationen und Ipsefacten“. Divergierende Konzeptionen des „romantischen“ Märchens bei Clemens Brentano und den Brüdern Grimm

 

Den Impuls zum Sammeln von Märchen haben die Brüder Grimm von ihrem Freund Clemens Brentano erhalten. Mehr noch: Die ersten Niederschriften mündlich erzählter wunderbarer Geschichten fertigten sie ausdrücklich für ihn an. Mit dem Anwachsen des Materials aber traten zunehmend Unterschiede in der Auffassung zu Tage, wie mit dem Textfundus umgegangen werden soll. Auf Grund dieser Meinungsunterschiede verwandelte sich die anfängliche Kooperation in Konkurrenz. Der Vortrag zeichnet die divergierenden Konzeptionen des „romantischen“ Märchens bei Clemens Brentano und den Grimms nach.

 

PD Dr. Wolfgang Bunzel leitet die Brentano-Redaktion im Frankfurter Goethehaus/Freies Deutsches Hochstift und unterrichtet als Privatdozent für Neuere deutsche Literatur an der Goethe-Universität Frankfurt a.M. Er ist Mitherausgeber des Internationalen Jahrbuchs der Bettina-von-Arnim-Gesellschaft und einer der beiden Kuratoren der derzeit gezeigten Ausstellung Hänsel und Gretel im Bilderwald. Illustrationen romantischer Märchen aus 200 Jahren.

 

Weiterführende Links: www.goethehaus-frankfurt.de

 

Ausstellung vom 24. April bis 15. Juli 2012 im Frankfurter Goethe-Haus: 

Hänsel und Gretel im Bilderwald. Illustrationen romantischer Märchen aus 200 Jahre

Frankfurter Goethe-Haus/Freies Deutsches Hochstift in Kooperation mit dem Institut für Jugendbuchforschung der Goethe-Universität Frankfurt a.M.

 

Die Märchen der Romantik zählen international zu den bekanntesten Texten der deutschsprachigen Literatur. In einem umfassenden Sinn populär geworden sind sie allerdings erst durch die Illustrationen, die den Drucken von früh an immer wieder beigegeben wurden. Es war das Bild als Transportmedium, das den wunderbaren Geschehnissen, von denen in den Märchen berichtet wird, eine greifbare Gestalt verlieh und so der Fantasie einen Anhaltspunkt, aber auch noch einmal neue Nahrung gab. Durch die massenhafte Verbreitung illustrierter Märchenausgaben im 19. und 20. Jahr­hundert brannten sich einige dieser Fantasie-Bilder so sehr in das kollektive Unbewusste ein, das sie nahezu archetypische Geltungskraft erlangten.

Dies ist für das Frankfurter Goethe-Haus/Freies Deutsches Hochstift Anlass, im Grimm-Jahr 2012, in dem sich das Erscheinen der Kinder- und Hausmärchen zum 200sten Mal jährt, einen groß an­gelegten Überblick über die Geschichte romantischer Märchenillustration zu geben. Anhand von illustrierten Büchern, Handzeichnungen, Originalgrafiken und Gemälden wird nicht nur das weite Spektrum der bildkünstlerischen Umsetzung romantischer Märchentexte von Jacob und Wilhelm Grimm, Clemens Brentano, E.T.A. Hoffmann, Novalis, Ludwig Tieck, Philipp Otto Runge, Friedrich de la Motte Fouqué und Carl Wilhelm Salice Contessa gezeigt, sondern auch die immense Vielfalt intermedialer Text/Bild-Beziehungen vorgeführt.

 

Häufig waren es „kleinere“ Meister oder lediglich als Buchgestalter hervorgetretene Künstler, die sich der Verbildlichung romantischer Märchentexte angenommen haben. Daneben begegnen uns aber immer wieder auch sehr bekannte Namen, so dass die Liste der Künstlerpersönlichkeiten, welche die Auseinandersetzung mit den Märchen der Romantik gesucht haben, zumindest streckenweise wie ein Who is who der Kunstgeschichte wirkt; genannt seien hier nur:


Philipp Otto Runge, Karl Friedrich Schinkel, Ludwig Emil Grimm, Wilhelm Hensel, George   Cruikshank, Eduard von Steinle, Franz Pocci, Moritz von Schwind, Ludwig Richter, Eugen Napoleon Neureuther, Walter Crane, Gustave Doré, Otto Ubbelohde, Albert Weisgeber, Max Slevogt, Max Beckmann und David Hockney.

Da in der Rezeptionsgeschichte der letzten beiden Jahrhunderte das Märchen längst zur populärsten Gattung der Romantik geworden ist, wird heute das Bild der Romantik und die landläufige Ansicht, was eigentlich als ‚romantisch‘ zu gelten hat, maßgeblich von den Märchentexten der Romantik und ihren Illustratoren geprägt.

Als Begleitpublikation zu dieser Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog. Weiterführende Informationen zum Aufbau der Schau und zu wichtigen Exponaten vermittelt ein Audioguide.

 

Die Ausstellung Hänsel und Gretel im Bilderwald. Illustrationen romantischer Märchen aus 200 Jahren wird vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain unterstützt und ist das erste Vorhaben des Kooperationsprojektes Impuls Romantik, das gefördert wird.

 

Ausblick: 

Märchen, Mythen und Moderne: 200 Jahre Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm

 

Kongress an der Universität Kassel vom 17. bis 20. Dezember 2012

 

Das 200-Jahr-Jubiläum ist gleichfalls Anlass für einen internationalen Kongress an der Universität Kassel zum Thema Märchen, Mythen und Moderne: 200 Jahre Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. Präsentiert werden innovative Forschungsansätze sowohl zu dem Werk der Brüder Grimm als auch zu den vielfältigen Wissenschaftsbereichen, mit denen sie sich beschäftigt haben. Eingeladen sind Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die zu einer zukunftsorientierten Forschung beitragen wollen.

Begleitend zu den Vorträgen und fachlichen Diskussionen wird ein breit gefächertes kulturelles Rahmenprogramm geboten, das die authentischen Grimm Stätten Kassels ins Zentrum rückt. Weitere Infos unter: www.grimm2012.uni-kassel.de

  

 Weitere Tipps zum Grimm-Jahr 2012:

·        ein Besuch des Brüder Grimm Hauses in Steinau

         (www.brueder-grimm-haus.de)

·        eine Fahrt auf der Deutschen Märchenstraße nach Hanau,

         (www.hanau.de/kultur/grimm/), dem Geburtsort der Brüder Grimm

·        ein Besuch des neu eröffneten Brüder Grimm Museums in Kassel.

·        den Märchenweg erwandern

        (www.nordhessen.de/de/maerchenhafte-orte).

 

 

Aktuelle Informationen, Beiträge und Berichte zum Märchenjahr 2012 bietet der Märchenspiegel. Zeitschrift für internationale Märchenforschung und Märchen­pflege. Die Zeitschrift wendet sich an Wissenschaftler und Märchenliebhaber in ganz Europa. Sie berichtet laufend über Märchenforschung und Märchenpflege als Mittler zwischen Wissenschaft und Märchenfreund. Sie gibt regelmäßig eine Übersicht sowie nachträgliche Berichte über Märchenveranstaltungen. Vorgestellt und rezensiert werden Bücher der Primär- und Sekundärliteratur zum Märchen. Gerne erhalten Sie ein kostenfreies Probeexemplar bitte wenden Sie sich an: Märchen-Stiftung Walter Kahn, info@maerchen-stiftung.de

 

 

geändert am 27. Februar 2012  E-Mail: Webmasterjubufo@rz.uni-frankfurt.de

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Druckversion: 27. Februar 2012, 12:50
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